Das Crema Magazin hat entschieden. Die Melitta Manufaktur in Bremen überzeugte Jury und Fachleute mit Röstqualität, Kundenservice und nachhaltigem Rohkaffeeeinkauf – als erster Großröster überhaupt.
Es ist eine Premiere. Zum ersten Mal geht der Titel „Röster des Jahres" des Crema Magazins an einen Großröster. Die Wahl fiel auf die Melitta Manufaktur in Bremen.
Die Fachjury bewertet jedes Jahr über mehrere Monate hinweg drei Kriterien: Qualität der Röstungen, Kundenservice sowie Fairness beim Rohkaffeeeinkauf. „Wir sind uns total bewusst darüber, dass wir der erste Großröster sind und dass das wahrscheinlich auch kontrovers diskutiert werden wird. Umso mehr freuen wir uns über diese Auszeichnung", sagt Nicole Böhmke, Expertin für Coffee Competence and Training.
Entstanden aus einem Herzensprojekt
Die Manufaktur hat ihre Wurzeln in einer einfachen Erkenntnis: Das große Werk in Bremen konnte Spezialitätenkaffees nur in größeren Chargen rösten – zu groß für das, was Specialty Coffee verlangt. 2018 formierte sich ein kleines Team, das sich um alles kümmerte: Baugenehmigungen, Röstmaschine, Prozesse. 2020 öffnete die Manufaktur ihre Tore, 2021 kam das erste Produkt auf den Markt.
Heute arbeiten dort vier Menschen. Manufakturleiter Sven Bosma verantwortet alles von der Warenannahme bis zum Versand. An seiner Seite: Röstmeister Alfred Liere, gebürtiger Guatemalteke und Gründungsmitglied. „Wir sagen immer, dass bei ihm da, wo andere Blut haben, Kaffee in den Adern fließt", sagt Sven Bosma. Stephan Gehrke ist seit 2022 dabei, Sven Neske komplettiert das Team seit Anfang 2026.
Rohkaffee mit Geschichte
Das Rohkaffee-Management steht im engen Austausch mit dem Manufaktur-Team. Gemeinsam wird geplant, welche Highlights als nächstes produziert werden. Dann werden Dutzende Muster bestellt, verkostet und bewertet – bis ein Match gefunden ist. „Jeder Kaffee, den wir für die Manufaktur auswählen, hat neben seinem besonderen Geschmack eine eigene Geschichte, die es zu verstehen und erzählen gilt", erklärt Jörg Lehmann vom Rohkaffee-Management.
Das Sortiment teilt sich in zwei Linien. Die 500-Gramm-Linie ist als Einstieg konzipiert, in ausgewählten Supermärkten erhältlich und bleibt von Herkunft und Aufbereitungsmethode konstant. Das 250-Gramm-Sortiment ist ausschließlich online verfügbar und wechselt vollständig, sobald eine Sorte ausverkauft ist: Micro-Lots mit besonders komplexen Geschmacksprofilen. „Direkt vom Mainstream kommende Konsumenten sind Röstaromen gewohnt und suchen diese auch. Würden wir die nicht liefern, würden wir Reaktanzen gegenüber Specialty Coffee auslösen – und wir wollen doch immer mehr Menschen für Specialty Coffee begeistern", erklärt Nicole Böhmke, warum die Manufaktur bewusst etwas dunkler röstet.
Handwerk bis zum letzten Handgriff
Nahezu täglich wird geröstet, jeder Beutel von Hand etikettiert und verpackt. Eine eigens mitentwickelte Packmaschine versiegelt die Tüten mit einer Stickstoff-Schutzatmosphäre. „Wenn wir mal überlegen, wie oft wir jeden einzelnen Beutel in der Hand hatten, bevor wir ihn dann selber in den Karton stellen, dann ist das einfach schon ein tolles Gefühl", sagt Sven Bosma.
Nachhaltigkeit als Haltung
Seit 2013 begleitet Melitta mehrjährige Projekte in den Ursprungsländern – gemeinsam mit lokalen Partnern und Organisationen wie Plan International. „Die Verantwortungsübernahme im Ursprung ist für uns als Familienunternehmen nicht nur ein ganz besonderes Anliegen, sondern auch eines unserer Kernelemente in der Nachhaltigkeitsstrategie", sagt Nachhaltigkeitsmanagerin Svea Behnke. „Unser Unternehmen wurde vor 120 Jahren von einer Frau gegründet, in einer Zeit, in der Frauen noch nicht mal wählen durften. Darum engagieren wir uns besonders in diesem Bereich, um Frauen und Mädchen zu stärken."
Stärke durch Vernetzung
Marketing, Controlling, Vertrieb, Qualitätsmanagement – all das steht dem Team im Hintergrund zur Verfügung. „Es sind ja noch viel, viel mehr Kolleginnen und Kollegen, die an dem ganzen Thema mitarbeiten und unterstützen. Das ist eine Riesenerleichterung für das Manufaktur-Team", sagt Nicole Böhmke. Für das Team ist der Titel vor allem eines: Bestätigung.